Lena SchmidtVIEW PROFILE →
Jeder Dritte schläft schlecht: Neue RKI-Studie zeigt, wie verbreitet Schlafprobleme in Deutschland sind
Eine große Studie des Robert Koch-Instituts mit über 27.000 Teilnehmenden zeigt, dass fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland Probleme mit dem Durchschlafen hat. Frauen und Menschen mit niedriger Bildung sind besonders betroffen.
Ein erholsamer Schlaf ist für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit, sondern eher ein täglicher Kampf. Eine neue, groß angelegte Studie liefert nun erstmals belastbare Zahlen dazu, wie verbreitet Schlafprobleme in Deutschland wirklich sind. Die Ergebnisse zeigen ein überraschend weit verbreitetes Phänomen, das quer durch die Bevölkerung geht. Schlechter Schlaf ist damit weniger ein Einzelschicksal als ein gesamtgesellschaftliches Thema.
Die Untersuchung stammt vom Robert Koch-Institut, kurz RKI, der zentralen Einrichtung für öffentliche Gesundheit in Deutschland. Sie wurde im Rahmen des Panels Gesundheit in Deutschland durchgeführt und stützt sich auf Daten aus dem Jahr 2024. Insgesamt nahmen 27.038 Personen an der Befragung teil, davon 51,1 Prozent Frauen. Eine so große Stichprobe macht die Ergebnisse besonders aussagekräftig für die gesamte Bevölkerung.
Die Teilnehmenden wurden gefragt, wie häufig sie in den vergangenen vier Wochen Probleme beim Ein- und Durchschlafen hatten. Das zentrale Ergebnis ist deutlich: 31,7 Prozent der Befragten berichteten von Durchschlafstörungen. Das bedeutet, dass fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland Schwierigkeiten hat, nachts durchzuschlafen. Damit ist diese Form der Schlafstörung erstaunlich weit verbreitet.
Wer ist besonders betroffen

Neben den Durchschlafstörungen wurde auch eine zweite Form untersucht, nämlich die Einschlafstörungen. Hier gaben 16,3 Prozent der Befragten an, betroffen zu sein, also etwa jeder sechste Erwachsene. Besonders belastend wird es für jene Menschen, die unter beiden Problemen gleichzeitig leiden. Nach den Daten des RKI ist davon rund jeder achte Erwachsene in Deutschland betroffen.
Die Studie zeigt außerdem, dass Schlafprobleme nicht alle Gruppen gleichermaßen treffen. Es fanden sich deutliche Unterschiede nach Geschlecht, Alter und Bildungsstand. Besonders hohe Werte wurden bei Frauen und bei Menschen mit niedrigem Bildungsniveau festgestellt. Diese Ungleichheit deutet darauf hin, dass auch soziale und gesundheitliche Faktoren beim Schlaf eine wichtige Rolle spielen.
Solche Unterschiede sind aus Sicht der öffentlichen Gesundheit besonders relevant. Sie zeigen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen ein höheres Risiko tragen und möglicherweise gezieltere Unterstützung benötigen. Schlaf ist damit nicht nur eine Frage der persönlichen Gewohnheiten, sondern auch der Lebensumstände. Präventionsangebote könnten in Zukunft stärker auf diese besonders betroffenen Gruppen zugeschnitten werden.
Laut RKI berichten 31,7 Prozent der Erwachsenen von Durchschlafstörungen und 16,3 Prozent von Einschlafstörungen.
Warum Schlaf so wichtig ist
Die hohe Verbreitung von Schlafproblemen ist deshalb besorgniserregend, weil Schlaf eine zentrale Säule der Gesundheit ist. Während wir schlafen, regeneriert sich der Körper, das Immunsystem arbeitet und das Gehirn verarbeitet die Eindrücke des Tages. Ausreichender und erholsamer Schlaf unterstützt die Konzentration, die Stimmung und die körperliche Leistungsfähigkeit. Fehlt er dauerhaft, kann das weitreichende Folgen für das Wohlbefinden haben.
Chronisch schlechter Schlaf wird in der Forschung mit einer Reihe gesundheitlicher Risiken in Verbindung gebracht. Dazu gehören unter anderem eine erhöhte Anfälligkeit für Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und langfristig auch körperliche Beschwerden. Gerade weil so viele Menschen betroffen sind, hat das Thema eine große gesundheitspolitische Bedeutung. Guter Schlaf sollte deshalb nicht als Luxus, sondern als Grundlage der Gesundheit verstanden werden.
Was helfen kann
Die gute Nachricht ist, dass sich die Schlafqualität in vielen Fällen mit einfachen Mitteln verbessern lässt. Fachleute empfehlen vor allem eine gute Schlafhygiene, also regelmäßige Gewohnheiten rund um das Zubettgehen. Dazu zählen feste Schlafenszeiten, ein dunkles, ruhiges und kühles Schlafzimmer sowie der Verzicht auf Bildschirme kurz vor dem Einschlafen. Auch Koffein und Alkohol am späten Abend sollten möglichst vermieden werden.
Gelegentliche schlaflose Nächte sind völlig normal und noch kein Grund zur Sorge. Halten die Probleme jedoch über längere Zeit an und beeinträchtigen den Alltag, ist ärztlicher Rat sinnvoll. Anhaltende Schlafstörungen lassen sich heute gut behandeln, sei es durch Verhaltensänderungen oder gezielte Therapien. Die neuen Zahlen des RKI sind damit vor allem ein Weckruf, dem eigenen Schlaf mehr Aufmerksamkeit zu schenken und ihn als wichtigen Teil der Gesundheit ernst zu nehmen.





