Lena SchmidtVIEW PROFILE →
Ein Wendepunkt gegen das Vergessen: Wie zwei neue Alzheimer-Medikamente nun in Deutschland ankommen
Jahrzehntelang gab es gegen Alzheimer kaum wirksame Waffen. Nun deutet sich ein historischer Wendepunkt an: Erstmals sind in Deutschland zwei Wirkstoffe verfügbar, die den Krankheitsverlauf tatsächlich verlangsamen. Leqembi (Lecanemab) ist seit September 2025 erhältlich, Kisunla (Donanemab) seit Nov
Über Jahrzehnte hinweg gab es gegen die Alzheimer-Demenz kaum wirksame Waffen, sondern fast nur Medikamente, die die Symptome ein wenig lindern konnten. Nun aber deutet sich ein wahrhaft historischer Wendepunkt an: Erstmals sind in Deutschland gleich zwei neue Wirkstoffe verfügbar, die den Krankheitsverlauf tatsächlich verlangsamen sollen.
Zwei neue Hoffnungsträger
Bei den beiden Medikamenten handelt es sich um Lecanemab, das unter dem Handelsnamen Leqembi vertrieben wird, sowie um Donanemab mit dem Handelsnamen Kisunla. Beide gehören zu einer völlig neuen Generation von Wirkstoffen und markieren gemeinsam einen echten Paradigmenwechsel in der Behandlung dieser tückischen Krankheit.
Der Weg auf den europäischen Markt verlief dabei durchaus schrittweise und in mehreren Etappen. Leqembi ist in der Europäischen Union bereits seit April 2025 zugelassen, während Kisunla im November 2025 folgte. In Deutschland selbst ist Lecanemab seit September 2025 erhältlich, Donanemab seit November desselben Jahres.
Wie die Wirkstoffe funktionieren

Das eigentlich Besondere an diesen Medikamenten ist, dass sie nicht bloß die Symptome bekämpfen, sondern direkt an den mutmaßlichen Ursachen der Erkrankung ansetzen. Beide sind sogenannte Antikörper, die sich ganz gezielt gegen die schädlichen Eiweißablagerungen im Gehirn richten, die für die Alzheimer-Krankheit so typisch sind.
Konkret binden die beiden Wirkstoffe das sogenannte Amyloid-Beta-Eiweiß und sollen so verhindern, dass sich künftig noch mehr davon ablagert. Darüber hinaus soll bereits vorhandenes Eiweiß mithilfe des körpereigenen Immunsystems zumindest teilweise wieder abgebaut werden, was den Krankheitsprozess insgesamt spürbar verlangsamen kann.
Lecanemab gilt dabei als der erste zugelassene Wirkstoff überhaupt, für den nachweislich belegt ist, dass er den Krankheitsprozess im Gehirn tatsächlich bremst. Das ist ein bemerkenswerter Durchbruch, gerade nach jahrzehntelanger Forschung und unzähligen gescheiterten Anläufen auf dem schwierigen Gebiet der Alzheimer-Forschung.
Unterschiede und Risiken
Trotz ihrer grundsätzlichen Ähnlichkeit gibt es zwischen den beiden Medikamenten einige praktische Unterschiede. Lecanemab wird den Patientinnen und Patienten alle vierzehn Tage als Infusion verabreicht, während Donanemab nur einmal im Monat gegeben werden muss, was den Behandlungsalltag für die Betroffenen etwas erleichtern kann.
Doch die neuen Wirkstoffe sind keineswegs frei von Risiken, ganz im Gegenteil sogar. Eine der wichtigsten Nebenwirkungen sind die sogenannten ARIA-Ereignisse, bei denen es im Gehirn zu Schwellungen oder kleinen Blutungen kommen kann, die in der Bildgebung sichtbar werden und deshalb engmaschig überwacht werden müssen.
Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Präparaten. Bei Donanemab traten solche ARIA-Ereignisse in den klinischen Studien bei etwa einem Viertel der behandelten Personen auf. Bei Lecanemab wurden sie hingegen nur etwa halb so oft beobachtet, was bei der individuellen Wahl der Therapie durchaus eine Rolle spielen kann.
Vorsichtiger Optimismus
Trotz aller verständlichen Begeisterung mahnen Fachleute weiterhin zu realistischen Erwartungen. Die neuen Medikamente sind ausdrücklich keine Heilung, denn sie können die Krankheit weder vollständig stoppen noch wieder rückgängig machen. Sie verlangsamen den Verlauf lediglich, und der spürbare Nutzen für die Betroffenen fällt oft eher moderat aus.
Hinzu kommt, dass die Behandlung nur für eine ganz bestimmte Gruppe von Patienten überhaupt infrage kommt. Die Wirkstoffe sind nämlich ausschließlich für Menschen in einem frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung vorgesehen, was eine rechtzeitige und möglichst präzise Diagnose zu einer zwingenden Voraussetzung für die Therapie macht.
Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Ankunft dieser beiden Medikamente einen historischen Moment im langen Kampf gegen das Vergessen darstellt. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit gibt es einen echten, wenn auch noch kleinen Hoffnungsschimmer, und die kommenden Jahre werden zeigen, wie groß dieser Fortschritt für die Betroffenen am Ende wirklich sein wird.






