Lena SchmidtVIEW PROFILE →
Elektronische Patientenakte in Deutschland 2026: eingeführt, aber kaum genutzt
Die elektronische Patientenakte ist in Deutschland seit Anfang 2025 für fast alle gesetzlich Versicherten angelegt, doch die aktive Nutzung bleibt gering. Anfang 2026 nutzten laut einer Umfrage nur rund 3,6 Prozent der Versicherten ihre Akte aktiv, obwohl rund 70 der 75 Millionen Versicherten eine e
Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens macht Fortschritte, doch die Praxis bleibt hinter den Erwartungen zurück. Ein zentrales Projekt ist die elektronische Patientenakte, kurz ePA, die medizinische Daten bündeln und den Austausch zwischen Ärzten, Kliniken und Patienten erleichtern soll. Im Jahr 2026 zeigt sich jedoch, dass die tatsächliche Nutzung noch sehr gering ausfällt.
Flächendeckende Einführung
Die elektronische Patientenakte wurde zu Beginn des Jahres 2025 für nahezu alle gesetzlich Versicherten angelegt. Die Krankenkassen richteten die Akte automatisch für alle Versicherten ein, die nicht ausdrücklich widersprachen. Davon betroffen waren rund 70 der gut 75 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland, was einer nahezu vollständigen Abdeckung entspricht.
Im ersten Quartal 2026 lag die Zahl der angelegten Akten bei etwa 62 bis 65 Millionen. Die sogenannte Widerspruchsquote, also der Anteil der Versicherten, die eine Akte ablehnten, betrug lediglich rund 3 bis 5 Prozent. Damit ist die technische Grundlage für eine flächendeckende digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland grundsätzlich geschaffen worden.
Geringe aktive Nutzung
Trotz der breiten Verfügbarkeit bleibt die aktive Nutzung deutlich hinter den Erwartungen zurück. Laut einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland, die am 7. Januar 2026 veröffentlicht wurde, nutzten nur etwa 3,6 Prozent der Versicherten ihre Akte tatsächlich aktiv. Dieser Wert ist seit Juli 2025 nur um einen einzigen Prozentpunkt gestiegen.
Andere Schätzungen fallen etwas höher aus, bleiben aber ebenfalls niedrig. Auf Basis von Daten der gematik wird für das erste Quartal 2026 geschätzt, dass etwa 12 bis 18 Prozent der Versicherten ihre elektronische Patientenakte aktiv abrufen. Unabhängig von der genauen Zahl zeigt sich jedoch klar, dass die Mehrheit der Menschen die Akte bislang nicht nutzt.
Unterschiede zwischen den Krankenkassen

Ein Blick auf die einzelnen Krankenkassen macht die Unterschiede deutlich. Bei der Techniker Krankenkasse, der größten gesetzlichen Kasse des Landes, wurden rund 11,5 Millionen Akten angelegt. Davon werden aktuell jedoch nur etwa 850.000 aktiv genutzt. Das zeigt, wie groß die Lücke zwischen der reinen Bereitstellung und der tatsächlichen Anwendung tatsächlich ist.
Auch bei anderen großen Kassen zeigt sich ein ähnliches Bild. Bei der Barmer wurden rund 8 Millionen Akten angelegt, von denen etwa 440.000 aktiv genutzt werden. Bei der AOK mit ihren elf regionalen Untergliederungen wurden sogar rund 26 Millionen Akten erstellt, doch nur etwa 365.000 Versicherte nutzen sie derzeit aktiv, was einen sehr geringen Anteil darstellt.
Die Rolle der Arztpraxen
Neben den Versicherten spielen auch die Arztpraxen eine entscheidende Rolle bei der Befüllung der Akten. Im ersten Quartal 2026 befüllten etwa 55 bis 60 Prozent der Praxen der Kassenärztlichen Vereinigungen die elektronische Patientenakte aktiv mit Daten. Eine aktive Beteiligung der Ärzte ist entscheidend, damit die Akte für die Patienten überhaupt einen echten Nutzen entfalten kann.
Der Inhalt der Akten ist bislang oft noch überschaubar. Eine aktiv genutzte ePA enthält im Durchschnitt etwa vier bis acht Dokumente. Zu den häufigsten Inhalten gehören die Medikationsliste sowie Arztbriefe. Als finanzieller Anreiz für die Befüllung erhalten die Praxen über die Gebührenordnungsposition 01648 eine Vergütung von 0,20 Euro je Befüllung.
Unterschiede nach Fachrichtung
Wie stark die Akte befüllt wird, hängt stark von der jeweiligen Fachrichtung ab. Am aktivsten ist die Allgemeinmedizin, wo im ersten Quartal 2026 etwa 65 bis 70 Prozent der Praxen die Akte befüllten. In der inneren Medizin lag dieser Anteil bei rund 55 bis 65 Prozent, während er in der Psychiatrie und Neurologie bei etwa 45 bis 55 Prozent lag.
In anderen Bereichen fällt die Beteiligung geringer aus. In der Chirurgie und Orthopädie befüllten nur etwa 40 bis 50 Prozent der Praxen die Akte, und in der Zahnmedizin waren es sogar nur rund 30 bis 40 Prozent. Diese Unterschiede zeigen, dass die Integration der ePA in den Praxisalltag je nach Fachgebiet sehr unterschiedlich weit fortgeschritten ist.
Herausforderungen und Ausblick
Die Zahlen verdeutlichen eine zentrale Herausforderung der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die technische Infrastruktur ist zwar weitgehend vorhanden, doch die tatsächliche Nutzung durch Patienten und Leistungserbringer bleibt gering. Ohne eine breite Akzeptanz kann die elektronische Patientenakte ihr Potenzial für eine bessere und effizientere Versorgung nicht voll entfalten.
Für die kommenden Jahre stellt sich daher die Frage, wie die Nutzung gesteigert werden kann. Mehr Aufklärung, eine einfachere Bedienung und ein spürbarer Mehrwert für die Versicherten könnten dazu beitragen, das Vertrauen in die digitale Akte zu stärken. Auch eine konsequentere Befüllung durch die Ärzte gilt als ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Projekts.
Insgesamt zeigt sich im Jahr 2026 ein zwiespältiges Bild der elektronischen Patientenakte in Deutschland. Die flächendeckende Einführung ist gelungen, doch die aktive Nutzung durch Versicherte und Praxen bleibt vorerst gering. Ob die ePA zu einem echten Fortschritt für das Gesundheitswesen wird, hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, diese Lücke zu schließen. Die Daten stammen von der gematik, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland.






